Kinderbetreuung: Rückkehr zu längeren Betreuungszeiten – Qualitätsstandards bleiben erhalten

Gute Nachrichten für Darmstädter Familien: Die Begrenzung der Betreuungszeit auf 45 Stunden pro Woche, die seit November 2024 wegen Fachkräftemangel und hoher Krankenstände galt, wird wieder aufgehoben. Eltern, die das Modul D gebucht haben, können ab sofort wieder 50 Wochenstunden Betreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen.

„Damit reagieren wir auf die Belastungssituation vieler Familien“, erklärt Eva Bredow-Cordier, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN und Mitglied im Sozialausschuss.
„Eltern brauchen Betreuungszeiten, die mit ihrem Arbeitsalltag vereinbar sind – und zwar ohne dabei die Qualität der Betreuung aufs Spiel zu setzen. Uns geht es nicht um Quantität um jeden Preis, sondern um individuelle Lösungen, die Familien wirklich entlasten. Dazu gehören gute Personalausstattung, faire Bezahlung und kindgerechte Strukturen.“

Gleichzeitig hat die Stadtverordnetenversammlung eine moderate Erhöhung der Kita- und Kindergartengebühren sowie eine Anpassung der Verpflegungskosten beschlossen.

„Seit 2018 gab es keine Gebührenerhöhung mehr – während die Personal- und Betriebskosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind“, erläutert Eva. „Dennoch macht mich persönlich das Thema wütend. – Ich träume von einer Gesellschaft ohne Gender-Gap. Einer Gesellschaft, in der Care-Arbeit nicht als minderwertige, schlecht bezahlte Frauenarbeit gilt – und in der jedes Kind Zugang zu kostenloser, hochwertiger frühkindlicher Bildung hat. Doch angesichts der angespannten Haushaltslage bleibt uns aktuell kein anderer Weg.“

Besonders wichtig ist der GRÜNEN Fraktion, dass soziale Aspekte weiterhin berücksichtigt werden: „Ich möchte alle Familien und Alleinerziehenden ermutigen, die ihnen gesetzlich zustehenden Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Unser Ziel bleibt, Elternbeiträge künftig fairer und sozial gestaffelt zu gestalten – und Menschen mit geringem Einkommen stärker zu entlasten.“

Hier lest ihr die gesamte Rede von Eva:

Heute stehen wir vor wichtigen Entscheidungen, die das Leben vieler Familien in Darmstadt direkt betreffen.

Und da ist es für Darmstädter Familien eine gute Nachricht, dass die Begrenzung der Betreuungszeit auf 45 Stunden pro Woche wieder fällt, die seit November 2024 wegen Fachkräftemangel und hoher Krankenstände galt. Eltern, die das Modul D gebucht haben, können ab sofort wieder 50 Wochenstunden Betreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen.

Ein großer Dank geht da an unsere Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Barbara Akdeniz, die seit 14 Jahren immer wieder das Beste für Familien herausholt – trotz knapper Kassen und schwieriger Rahmenbedingungen.

Denn wir wissen alle, dass die Herausforderungen in der Kinderbetreuung enorm sind. Der Fachkräftemangel, die hohen Krankenstände, die Belastung der Erzieher*innen, die Belastungen der Kinder – all das dürfen wir nicht ignorieren.

Deshalb halten wir an unseren hohen Standards fest: Mehr Zeit für Erzieher*innen, bessere Personalschlüssel, mehr Leitungszeit.

Wir setzen auf Qualität, weil unsere Kinder es verdienen!

Wir brauchen keine Quantität um jeden Preis, sondern individuelle Lösungen, die Familien wirklich entlasten. Und das bedeutet: faire Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen, kindgerechte Strukturen!

Engagierter Sozialpolitik und guter Netzwerkarbeit ist es zu verdanken, dass es hier in Darmstadt einen Schulterschluss gab und gibt, hohe Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung aufzustellen und dafür trotz Gegenwind weiterzukämpfen. Gemeinsam – auch das zeichnet uns hier in Darmstadt aus – werden trägerübergreifend Lösungen entwickelt.

Mit der Rückkehr zu längeren Betreuungszeiten reagieren wir auf die Belastungssituation vieler Familien.

Eltern brauchen Flexibilität, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Und Eltern brauchen Betreuungszeiten, die mit ihrem Arbeitsalltag vereinbar sind.

Das will ich nochmal herausheben: Mehr Betreuungszeit bedeutet nicht, dass wir die Qualität der Betreuung aufs Spiel setzen. Im Gegenteil: Wir wollen die Qualität durch gute Personalausstattung, faire Bezahlung und individuelle Lösungen sichern.

Und ja, wir müssen auch über die Finanzen sprechen. Ab August steigen die Gebühren für die Kinderbetreuung: 20 Euro mehr für U3-Kinder, 50 Euro mehr für ältere Kinder. Das ist eine moderate Erhöhung, die leider notwendig ist, um die Qualität zu sichern.

Denn seit 2018 gab es keine Anpassung mehr, während die Kosten explodiert sind!

Über 75 Prozent der Kosten trägt die Stadt – wir sind weit entfernt von einer Drittelfinanzierung durch Land, Kommune und Familien. Und die Landeszuschüsse sind immer noch nicht dynamisiert!

Mit 270 Euro für U3-Kinder liegen wir dann immer noch weit unter den 544 Euro, die das in Seeheim-Jugenheim kostet, auch weit unter den 512 Euro in Weiterstadt oder 456 Euro in Ober-Ramstadt.

Ü3-Betreuung kostet in Darmstadt ab August 150 Euro monatlich; in Bensheim 340 Euro, in Seeheim-Jugenheim 320 Euro.

Aber ja, es gibt auch Kommunen, in denen es günstiger ist.

Und ja, mich macht das Thema persönlich wütend. Und wütend müssen wir sein, sonst ändert sich nie was.

Und wir müssen laut werden! Denn es geht um unsere Kinder und um die Zukunft unserer Gesellschaft!

Ich träume von einer Gesellschaft ohne Gender-Gap. Einer Gesellschaft, in der Care-Arbeit nicht als minderwertige, bestenfalls schlecht bezahlte Frauenarbeit gilt – und in der jedes Kind Zugang zu kostenloser, hochwertiger frühkindlicher Bildung hat.

Doch wir leben in einer Welt, in der es für Familien immer noch ein riesiger Kraftakt ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Alleinerziehende Mütter sind oft armutsgefährdet oder arm, das hat zuletzt der neue Darmstädter Sozialatlas bestätigt, und viele Familien kämpfen täglich mit den Herausforderungen, die eine gute Betreuung mit sich bringt.

Und doch bleibt uns angesichts der angespannten Haushaltslage aktuell kein anderer Weg.

Und deshalb ist es mir so wichtig, dass soziale Aspekte weiterhin berücksichtigt werden: Ich möchte alle Familien und Alleinerziehenden ermutigen, die ihnen gesetzlich zustehenden Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen.

Unser Ziel ist es, Elternbeiträge künftig fairer und sozial gestaffelt zu gestalten – und Menschen mit geringem Einkommen stärker zu entlasten.

Genau das haben wir im Rahmen unserer Haushaltsgespräche mit der Koalition und der SPD vereinbart: Das Sozialdezernat prüft, wie es die Gebühren künftig in einem zweiten Schritt einkommensabhängig staffeln kann.

Und deshalb ist der eine Antrag der SPD, der auf ihren Tischen liegt, absolut überflüssig.

Der zweite SPD- Antrag, der unsere Vereinbarungen in Frage stellt, den nenne ich unfair und respektlos. Wir haben im Haushalt Kompromisse gefunden – und jetzt wollen sie alles wieder kippen?

Sie zeigen einmal mehr, dass sie kein Interesse an echten Lösungen haben, sondern nur Effekthascherei betreiben. Wir halten an unseren Absprachen fest! Und Sie? Sie spielen immer nur im Team SPD. Wir setzen auf Verlässlichkeit! Denn nur so können wir Darmstadt voranbringen.

Wo wollen Sie die das Geld eigentlich sonst herholen?

Der Haushalt ist spitz auf Knopf genäht.

Ja, es fällt schwer, die Gebührenanpassungen zu beschließen. Aber sie sind notwendig, weil unsere Haushaltssituation angespannt ist.

Zugleich sind sie eben auch ein Zeichen dafür, dass wir die Qualität in der Betreuung sichern wollen. Denn wir wissen: Es ist ein Spagat zwischen fairen Tarifen für unsere Erzieher*innen und niedrigen Gebühren für Familien.

Wie wir in der Kinderbetreuung in Hessen wirklich vorankommen? Schauen Sie mal in den Gesetzentwurf der Hessischen Grünen – da finden sich viele kluge Ideen und Lösungen: Verkürzte Ausbildungszeit, Abschaffung des Schulgelds, Förderung praxisintegrierter Erzieher*Innenausbildung, die gesetzliche Verankerung der erfolgreichen Programme Sprachkitas und Starke Teams, starke Kitas, Positivliste für Anerkennung ausländischer Abschlüsse uvm.

Da geht noch was, liebe Genossinnen und Genossen der SPD. Wer für eine gute Kinderbetreuung, für eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf kämpft, muss sich jetzt dringend um die Gewinnung von Fachkräften kümmern.

Dass alle Kinder eine kostenlose, qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung erhalten – das mag ein Traum bleiben. Aber wir haben es in der Hand, dass Elternbeiträge fairer und sozial gestaffelt werden.

Und das werden wir umsetzen, weil das nun mal eine Gerechtigkeitsfrage ist. Um Familien mit geringen und mittleren Einkommen zu entlasten.

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