Bredow-Cordier: „Ein Leitbild ist ein Anfang, aber noch keine Wirtschaftspolitik.“
Depner: „Nach zwei Wachstumskonferenzen braucht Darmstadt endlich einen konkreten Fahrplan.“
Die Darmstädter Grünen begrüßen das gestern vorgestellte industrie- und wirtschaftspolitische Leitbild von Stadt Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Unternehmerverband Südhessen und DGB Südhessen grundsätzlich. Das Papier benenne viele Herausforderungen richtig und unterstreiche die Bedeutung von Industrie, Innovation, Fachkräften und Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft für den Standort Darmstadt.
Gleichzeitig sehen die Grünen deutlichen Handlungsbedarf: Aus ihrer Sicht müsse dem Leitbild nun eine klare industriepolitische Strategie mit konkreten Maßnahmen, Prioritäten und einem verbindlichen Zeitplan folgen.
„Dass Wirtschaftspolitik wieder stärker ins Zentrum der politischen Debatte rückt, ist richtig und notwendig“, erklärt Eva Bredow-Cordier, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen zur Kommunalwahl. „Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage für Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und die Finanzierung unserer Stadt. Das Leitbild beschreibt viele Entwicklungen zutreffend – aber ein Leitbild allein ist noch keine Wirtschaftspolitik.“
Nach Ansicht der Grünen brauche Darmstadt jetzt eine konkrete industriepolitische Strategie, die klar definiere,
- welche wirtschaftlichen Cluster gezielt weiterentwickelt werden sollen,
- wie Innovationsstandorte, Start-ups und Mittelstand stärker vernetzt werden,
- welche Flächen für wirtschaftliche Entwicklung priorisiert werden,
- und mit welchen Instrumenten die Stadt wirtschaftliche Dynamik aktiv unterstützt.
„Nach zwei Wachstumskonferenzen und einem Leitbild darf es jetzt nicht bei allgemeinen Bekenntnissen bleiben“, sagt Heiko Depner, Parteisprecher und Spitzenkandidat der Grünen. „Darmstadt braucht einen klaren Fahrplan: Wer übernimmt Verantwortung, welche Projekte werden zuerst umgesetzt und welche Instrumente setzt die Stadt ein, um Innovation und Wachstum konkret zu ermöglichen.“
Aus Sicht der Grünen müsse Wirtschaftspolitik vor allem eines leisten: Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Unternehmen entschieden sich nicht nur aufgrund von Flächen für einen Standort, sondern auch wegen funktionierender Verwaltung, guter Infrastruktur, Fachkräfte, Wohnraum und einer klaren wirtschaftlichen Perspektive.
„Wirtschaftspolitik braucht politische Verlässlichkeit“, so Depner. „Unternehmen müssen wissen, wofür ein Standort steht, welche Branchen gezielt unterstützt werden und wie sich eine Stadt entwickeln will.“
Die Grünen sehen deshalb mehrere zentrale Ansatzpunkte für eine konsequente Weiterentwicklung des Leitbildes:
- eine klare wirtschaftliche Positionierung Darmstadts auf Basis seiner Innovations- und Technologiestärken,
- eine aktive Wirtschaftsförderung, die Unternehmen begleitet und Ansiedlungen strategisch vorbereitet,
- eine strategische Flächenpolitik, die wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht und zugleich lebenswerte Quartiere schafft,
- sowie eine stärkere Bindung von Start-ups und Fachkräften an den Standort Darmstadt.
Gerade im Kontext der aktuellen Wachstumsdebatten sei es entscheidend, wirtschaftliche Entwicklung aktiv zu gestalten, statt sie lediglich zu kommentieren.
„Darmstadt gehört zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Zukunftsstädten Deutschlands“, sagt Bredow-Cordier. „Damit das so bleibt, braucht es Mut zur Prioritätensetzung, Vertrauen in die Stärke des Standorts und Verlässlichkeit in der politischen Umsetzung.“
Die Grünen kündigten an, sich konstruktiv in die weitere Ausarbeitung einzubringen. Ziel müsse sein, dass aus dem Leitbild eine konkrete industriepolitische Strategie mit klaren Projekten und messbaren Zielen entsteht.
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