Hilfe und Sicherheit im Herrngarten: GRÜNE bringen Antrag zum Scentral auf den Weg

Gemeinsam mit CDU und Volt haben wir einen Antrag zur Weiterentwicklung des Scentral eingebracht, der mit den Stimmen fast aller Fraktionen (mit Ausnahme der Linke, UWIGA/WGD, Herrn Uhl) in der Stadtverordnetenversammlung am 25.09.2025 angenommen wurde. So können wir parteiübergreifend und lösungsorientiert die Zukunft des Scentral und des Herrngarten beeinflussen und die Situation rasch für alle besser machen.

Seit den 1990er-Jahren ist der Herrngarten ein zentraler Treffpunkt der offenen Drogenszene in Darmstadt. Mit dem Neubau des Scentral an der Bismarckstraße verfügen wir nun über moderne Räume mit Kontaktladen und Substitutionsambulanz. Gleichzeitig verlagerte sich ein großer Teil der Szene zurück in den Herrngarten – durch die Aufgabe der aufgestellten Container in der Schleiermacherstraße.  Aktuelle Entwicklungen wie verstärkter Crack-Konsum verschärfen die Lage zusätzlich und belasten Anwohner*innen und Parkbesucher*innen.

Wir setzen uns dafür ein, dass Politik nicht auf reine Verdrängung setzt, sondern Hilfe, Schutz und Ordnung zusammendenkt. Ziel ist ein klar abgegrenzter Toleranzbereich nach Zürcher Vorbild: sichere Orte für Suchtkranke und gleichzeitig ein sauberer, nutzbarer Park. Gemeinsam mit CDU und Volt haben wir ein umfassendes Konzept erarbeitet und in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Es umfasst:

  • Konsumräume mit medizinischer Betreuung zur Vermeidung von Todesfällen und Infektionen
  • Erweiterung des Außengeländes für Aufenthalt und kontrollierte Konsumzonen
  • Notschlafplätze und Tagesruhebetten zur Stabilisierung suchtkranker Menschen
  • Konsequentes Einschreiten gegen offenen Konsum und Handel im öffentlichen Raum
  • Fortführung des „Darmstädter Weges“ als Zusammenspiel von Sozialarbeit und Sicherheitsbehörden

Den vollständigen Antrag und Evas Rede (bei 5.42) findet ihr hier:

Dringlichkeitsantrag_Scentral

Was ist der Kern unseres Antrags? Anwohnende und Drogenkranke: Beide haben Rechte, die man nicht gegen einander ausspielen darf. Wir betreiben keine Vergangenheitsbewältigung, sondern lösen ein akutes Problem.

Mit unserem Antrag, dem Antrag von GRÜNE, CDU und Volt stärken wir Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität – ohne die Rechte der Betroffenen zu vernachlässigen. Die Lösung entlastet das Umfeld und Anwohnerinnen und Anwohner.

Unser Ziel ist: Darmstadt sicherer machen und konsequent zu helfen. Wir schaffen neue, leicht zugängliche Angebote im Scentral, darunter medizinisch betreute Konsumräume, Notschlafplätze und Ruheräume.

Dazu erweitern wir das Areal.

Wir schaffen eine Toleranzzone und binden die offene Drogenszene eng an die Hilfseinrichtung an. Damit erhöhen wir Sicherheit im Park, entlasten die Anwohnerinnen und Anwohner und schaffen klare Regeln für alle. Der Raum wird neu geordnet, damit alle davon profitieren.

Offenes Dealen und Konsum im Herrngarten braucht klare Grenzen. Aber Konsequenz funktioniert nur mit einem guten Angebot: Konsumräume und Ruheplätze geben Sicherheit und den Kranken Menschenwürde – und legen die Basis, außerhalb konsequent einzugreifen und Anwohnerinnen, Passantinnen, Passanten und Kinder zu schützen.

Was bedeutet unser Konzept konkret?

Gesundheit gewinnt.

Medizinisch betreute Räume schützen die Gesundheit der suchtkranen Menschen, verhindern Überdosierungen und reduzieren Infektionen. Wir handeln verantwortungsvoll, statt wegzuschauen.

Und zugleich:

Sicherheit zuerst.

Durch gezielte Angebote im Scentral reduzieren wir den offenen Konsum im Park, steigern die Präsenz seriöser Hilfen vor Ort und entlasten sensible Bereiche des Herrngartens. Das nutzt allen. Wir schaffen klare Regeln, wo Drogen konsumiert werden dürfen, wo sich Süchtige aufhalten können, zur Ruhe kommen und Angebote finden – und schaffen außerhalb der Toleranzzone mehr Raum für Kontrolle und Repression.

Ich sage klar: Es lohnt sich, ein kleines Stück Herrngarten an die Drogeneinrichtung und die Versorgung von suchtkranken Menschen abzugeben. Wir durchbrechen eine Mauer – hin zu einer praxisnahen Lösung.

Unser Antrag heilt die akute Situation schnell und nachhaltig. Und unser Konzept löst die Bremse und kann den Stillstand beenden, der auf Kosten aller eingetreten ist.

Wir wissen: In Darmstadt arbeiten seit Jahren in verschiedenen Gremien – wie der AG Sicherheit und Prävention – , Drogenhilfe, Verwaltung, Landespolizei sowie Sozial- und Ordnungsbehörden konstruktiv und gut zusammen.

Drogenpolitik wird hier gemeinsam erarbeitet und stetig weiterentwickelt.

Daran sollten wir zum Besten für alle Seiten festhalten. So gelingt es, neue Herausforderungen gemeinsam zu entwickeln.

Da braucht es keine Expertise von außen. Diese Expertise liegt hier bei uns in unserer Stadt.

Zusammen mit der Koalition haben wir ein Konzept erarbeitet, das jetzt hier vorliegt. Und diese Zusammenarbeit ist allemal fruchtbarer als dem politischen Gegner in der Presse zu drohen.

In der Zusammenarbeit liegt die Macht der Veränderung.

Wenn Stillstand herrscht, dann hilft das niemandem. Und es beseitigt schon gar nicht Probleme, die konstruktive rasche Lösungen erfordern.

Unser Konzept reagiert – lösungsorientiert und zielgerichtet – auf die akute Notlage, die durch den Wegfall der Container in der Schleiermacherstraße und dem nicht vollendeten Innenhof des Drogenkontaktladens Scentral entstanden ist.

Es bietet einen klaren, realistischen Weg, die Situation für alle zu bessern.

Dafür stehen auch weitere Punkte des Konzepts:

Eine stärkere Überwachung sensibler Bereiche in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Gefahrenabwehr

Eine bessere Beleuchtung und hergestellte Sichtachsen

Eine Orientierung am bewährten Züricher Modell und der Vier-Säulen-Strategie:      Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression

Ein ressortübergreifender Umsetzungsplan

Ein temporärer Projektbeirat, der Beteiligung sicherstellt

Eine Ausweitung von Prävention für junge Menschen

Eine Prüfung von Drug-Checking

Und eine wissenschaftliche Evaluation und Kennzahlen, um Wirkung, Kontakte, Zuweisungen, Notfälle und die Reduktion offenen Konsums zu messen.

Viele sehr gute Gründe, zuzustimmen.

Darmstadt hat jetzt die Chance, neue Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu finden. Gemeinsam machen wir den Park sicherer und stärken die Hilfe vor Ort für kranke Menschen.

Wir können heute miteinander für mehr Sicherheit, für mehr Gesundheit und für ein menschliches Darmstadt stimmen.

Vielen Dank.

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