Fakten zum Neubau Informationszentrum auf dem Osthang der Mathildenhöhe


Fordert die UNESCO einen Neubau?

Nein, die UNESCO fordert keinen Neubau. Ein Informationszentrum ist nur eine von mehreren Möglichkeiten der Vermittlung. Die UNESCO-Welterbekonvention fordert eine nachhaltige Vermittlung und Sensibilisierung der kommenden Generationen. Die Errichtung eines Informationszentrums wurde allerdings bereits im Rahmen der Bewerbung im Managementplan als Absichtserklärung festgeschrieben.

Das im Tourismuskonzept vorgestellte Handlungs- und Umsetzungskonzept von 2017 benennt klar die absolute Notwendigkeit eines Neubaus, da in den Bestandsgebäuden, die für eine mögliche Verortung für ein Besucherzentrum betrachtet wurden, keine adäquate Vermittlung erzielt werden könne.

Beides diente dem Komitee dazu einzuordnen, ob Darmstadt bzw. das Advisory Board in der Lage ist, die Welterbestätte zu managen.

Fakt ist: Der Neubau ist daher noch zu realisieren.

Welche Alternativen zum Neubau am Osthang wurden geprüft?

In einer Machbarkeitsstudie wurden Alternativen zum Neubau am Osthang geprüft. Es ist richtig, dass die nicht in gebundener, abgeschlossener und veröffentlichter Form vorliegt – aber die Untersuchungen der bestehenden städtischen Gebäude auf der Mathildenhöhe auf Tauglichkeit, dort ein Informationszentrum einzurichten, wurden vorgenommen und deren Ergebnisse sind in den Bewerbungsprozess eingeflossen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Künstlerhäuser Großes Haus Glückert, Haus Olbrich und Haus Deiters untersucht. Verworfen wurde deren Tauglichkeit aufgrund fehlender Voraussetzungen wie Barrierefreiheit und Flächenkapazität. Außerdem wurden weitere sechs alternative Standorte untersucht: Ernst-Ludwigs-Haus, Haus Christiansen, Nordplateau, Osthang, Neufert-Haus, Ostbahnhof.

Für Informationszentren stellt die UNESCO folgende Ansprüche: Umfassende Informationsvermittlung – dazu gehören Informationsangebote, Seminarräume, Ausstellung und WC-Anlagen; Lenkung der Besuchsströme im Einklang mit dem Verkehrskonzept, das Reisebusse mit einbezieht; gute Erreichbarkeit, Nähe zur Welterbestätte; Barrierefreiheit.

Fakt ist: Im Vergleich der alternativen Standorte zeigte sich, eine nachhaltige und im vollen Umfang den Anforderungen entsprechende Umsetzung ist auf dem Areal des Osthangs realisierbar. 

Wie hoch sind die Kosten für das Informationszentrum?

Die Planungskosten für städtische Bebauungen sind generell aus Wettbewerbsgründen nie öffentlich – die dazugehörigen Magistratsunterlagen und Stadtverordnetenbeschlüsse sind immer ausschließlich für Stadtverordnete einsehbar. Die Stadt Darmstadt hält an dieser Praxis fest, um im Rahmen des Ausschreibungsprozesses die Kostenentwicklung nicht in die Höhe zu treiben.

Das gilt auch für den geplanten Neubau des Informationszentrums.

Fakt ist:  Es gibt Zusagen von Fördermitteln, die aber nicht ausreichen werden. Der Neubau ist im Mittelfristigen Investitionsprogramm des Haushaltes der Stadt Darmstadt für die nächsten 5 Jahre enthalten.

Mit wie vielen Tourist*innen rechnen wir für die Welterbestätte und das Informationszentrum?

Es wurde mal die Zielmarke von 1 Million Besucher*innen genannt. Das große Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe hat erst seit April 2025 wieder offen und bisher nur eine große Schau gezeigt. Die Jahre davor standen im Zeichen von Corona und Baustellenbetrieb. Wechselnde Ausstellungen im Ernst-Ludwig- Haus und im großen Ausstellungsgebäude sowie der offene Platanenhain sorgen für steigende Besucherzahlen. Zuletzt lagen diese in 2024 bei rund 500.000.

Fakt ist: Ein Informationszentrum, das über die Welterbestätte insgesamt informiert, wird weitere Menschen anziehen, auch über die Region hinaus.

Wie geht es für die Kulturarbeit des Vereins Osthang weiter?

Der Verein OHA e.V. erhält erstmals Planungssicherheit. Langfristig wird ihm die Nutzung eines Grundstücks neben dem Neubau des Kunstarchives in der Weststadt über einen Pachtvertrag zugesichert. Die Mainhall wird dort bis Anfang 2026 wieder aufgestellt – die Kosten dafür übernimmt die Stadt Darmstadt.

Zugleich gibt es die Zusage des Kulturreferenten und Leiter des Instituts Mathildenhöhe, dass der Verein OHA e.V. auch auf der Mathildenhöhe Kulturangebote realisieren kann – erste Events haben stattgefunden.

Fakt ist: Zehn Jahre hat die Stadt die Fläche am Osthang zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. Jetzt wo die Fläche wegfällt, schaffen wir neue langfristige Perspektiven an einem neuen Ort und Möglichkeiten für den Verein, sich aktiv auch künftig auf der Mathildenhöhe kulturell einzubringen.

Was passiert mit dem unteren Grundstücksteil des Osthangs

Ob es dafür in Zukunft mal eine sinnvolle und notwendige Nutzung gibt, steht noch nicht fest. In einem Umweltgutachten war das untere Grundstücksteil des Osthangs am Fiedlerweg mal als kulturelle Nutzung eingezeichnet. Dies war aber niemals Teil irgendeiner weitergehenden Planung, denn das Gelände ist dort zum einen sehr schmal und zum anderen grenzt es direkt an ein Wohnhaus, was die Nutzung für Publikumsveranstaltungen aufgrund von Lärmbelastung ausschließt.

Die Umplanungen des Informationszentrums auf dem Gelände des Osthangs haben dazu geführt, dass insgesamt der Bebauungsplan verändert und zugunsten des Klimaschutzes angepasst wurde.

Sah der alte Bebauungsplan noch vor, 109 Bäume für das Informationszentrum zu fällen, konnte mit dem neuen Bebauungsplan ein Großteil der Bäume gerettet werden – konkret 90 Bäume: Die Fläche des neuen Kubus macht die Fällung von 19 Bäumen notwendig, von denen 8 Bäume als erhaltenswert, 5 als eingeschränkt erhaltenswert, 2 als weniger erhaltenswert und 4 Bäume als nicht erhaltenswert gelten. 6 Bäume sind also bereits stark erkrankt oder teilweise abgestorben. Für die 19 Bäume wird es Ersatzpflanzungen geben.

Fakt ist: Der neue Bebauungsplan schützt Bäume und Grünflächen auf dem Areal rund um das neue Infozentrum.

Wie steht es um Mitbestimmung und Partizipation?

Im Rahmen des Bewerbungsprozesses um den Welterbetitel waren die Mitbestimmung und Partizipation der Darmstädter Bürger*innenschaft sehr stark auf Informationsveranstaltungen beschränkt. Jetzt wo der Titel erreicht ist, ist es gut, wenn es in der Ausgestaltung des Landschaftskonzepts Möglichkeiten gibt, sich zu beteiligen. So hat eine Vertreter*in des Vereins OHA e.V. einen Sitz in der Jury.

 

Was wir weiter fordern:

Wir erwarten von Seiten der Stadt Darmstadt und der Darmstädter Marketing GmbH ein nachhaltiges Tourismuskonzept für die Welterbestätte Mathildenhöhe.

Wir setzen uns dafür ein, dass der Bau des Infozentrums unter Beibehalt der jetzigen Kubatur noch einmal unter energetischen und ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten evaluiert und ggf. nachjustiert wird, dass auch die Materialität überprüft wird, auch um eine mögliche Überhitzung des Gebäudes zu verhindern.

Das Informationszentrum muss nachhaltig nach aktuell möglichen technischen Standards und bautechnischen Möglichkeiten geplant werden.  Zum Gedanken der Nachhaltigkeit sind alle UNESCO-Welterbestätten verpflichtet, was auch im Hinblick auf die monatlichen Unterhaltungskosten relevant ist.

Die Zusagen an den OHA e.V. müssen eingehalten werden: Umzug der Mainhall. Unterstützung bei der Errichtung der Infrastruktur in Hinblick auf Erreichbarkeit, Wasseranschluss, Toiletten, Verschattung usw.

Wir fordern auch die Zusagen ein, dass der Verein OHA e.V. bei Events auf der Mathildenhöhe weiterhin die Möglichkeit bekommt, den Ort zu bespielen. Die Mathildenhöhe soll auch in Zukunft ein Ort sein, an dem neue und junge Kultur stattfindet und möglich ist. So wird aus einem musealen Ort ein lebendiger Ort der Zukunft.

Wir fordern, leerstehende Gebäude und Gelände auch künftig Kulturschaffenden für Zwischennutzungen zur Verfügung zu stellen – der Widerstand der Zwischennutzenden darf uns davon nicht abhalten und entmutigen.

Wir fordern weiter Kompromisse des Machbaren zu finden und umsetzen. Gute Politik heißt für uns, einerseits Beschlüsse umzusetzen und trotzdem auch Zeitfenster zu nutzen, diese zu evaluieren und im Realisierungsprozess ggf. noch mal nachzujustieren.

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