Auf dem Weg zur Obdachlosenhilfe

Wohnungslosen Menschen bietet Darmstadt ein besonders dichtes Netz an Hilfeeinrichtungen, Unterkünften und pädagogischer Begleitung an, das haben Sozialdezernentin und Bürgermeisterin Barbara Akdeniz und die Leiterin der Diakonischen Wohnungsnotfallhilfe Nicole Frölich auf einem Rundgang vorbei an einer Handvoll Einrichtungen am Samstag (14.) eindrücklich aufgezeigt.

„Unsere Grundhaltung ist, alle Menschen haben ein Recht und Anspruch auf Unterstützung – ohne dass wir die Schuldfrage stellen. Wir bieten einen bunten Strauß an Hilfsangeboten und bauen vielfältige Brücken, damit diese bei den Menschen in Notlagen auch wirklich ankommen“, erläutert Barbara Akdeniz. „Dafür ist es wichtig, dass wir zielgruppenspezifische Angebote machen, die bei uns nicht nur eine Unterkunft, sondern immer auch pädagogische Beratung und Begleitung umfassen – die selbstverständlich für alle freiwillig ist. Dieses Gesamtpaket aus freiwilligen und Pflichtleistungen gibt es bundesweit in ganz wenigen Städten. Dafür braucht es eine breite politische Unterstützung, die wir in Darmstadt mit starken Grünen haben.“

Es gibt aufsuchende Angebote (Streetwork), für Alleinerziehende mit Kindern (MuKiS), für alleinstehende Frauen (FÜWH), für Familien (betreutes Wohnen), für psychisch Kranke und für Obdachlose (Z14), sogar für Menschen mit Hunden (Gräfenhäuser Straße).

Nicole Frölich, ehrenamtliches Magistratsmitglied, leitet einen Großteil dieser Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe für die Diakonie: Die Teestube, als niedrigschwelliger Beratungs- und Aufenthaltsort mit Spinden, Waschmaschinen, einer Fahrradwerkstatt und Gesundheitsangeboten in der Alicenstraße 29, ein Wohnhaus für Mütter mit Kindern nahe der Pallaswiesenstraße, in der Nähe ein weiteres Haus für alleinstehende Frauen. Allein 95 Männer leben in der Nähe des Hauptbahnhofes im vor ein paar Jahren kernsanierten Männerübergangswohnheim, das auch alten und suchtkranken Wohnungslosen ein Heim bietet, inklusive Betreuung und Pflege. „Jeder Mann kann dort drei Nächte schlafen, ohne dass er zuerst auf ein Amt gehen muss“, auch das ist Darmstadt-spezifisch, erklärt Nicole Frölich. „Bei uns können sie erst einmal ankommen und wir versuchen mit Beziehungsarbeit das Vertrauen der Menschen zu gewinnen und sie so in unser Hilfesystem aufzunehmen“.

Stolz ist Nicole Frölich auch darauf, dass in den Pandemiejahren all diese Einrichtungen immer offen waren. „Das war eine große Herausforderung, aber ich bin sehr froh, dass wir unsere Hilfs- und Unterstützungsangebote aufrechterhalten konnten. Viele haben uns mit Spenden in dieser Zeit unterstützt. Deshalb hängt an unseren Einrichtungen ein großes Danke-Banner.“

Neben der finanziellen Absicherung dieser Angebote, der notwendigen Ausweitung allein aufgrund des demografischen Wandels, der schwierigen Suche nach Liegenschaften, ist es der Fachkräftemangel im Bereich Soziale Arbeit, die Barbara Akdeniz und Nicole Frölich umtreibt: „Ein riesig-großes Thema, nicht nur bei der Kinderbetreuung, sondern auch für die Obdachlosen- und Wohnungsnotfallhilfe“, betonen beide beim 8 Kilometer langen Rundgang.

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