15 Jahre Barbara Akdeniz: Sozialpolitik für eine Stadt, die niemanden zurücklässt

GRÜNE würdigen 15 Jahre als Sozialdezernentin und fünf Jahre als erste Frau im Bürgermeisteramt – messbare Fortschritte und klare Aufgaben für die Zukunft

Seit 15 Jahren prägt Barbara Akdeniz als Sozialdezernentin die Entwicklung Darmstadts. Seit fünf Jahren ist sie zugleich Bürgermeisterin und die erste Frau in der Geschichte der Stadt in diesem Amt. Die Sprecher*innen der Darmstädter GRÜNEN, Hildegard Förster-Heldmann und Heiko Depner, würdigen das Jubiläum als Bilanz einer Politik, die konkrete Unterstützung mit langfristigen strukturellen Veränderungen verbindet.

„Barbara Akdeniz hat als erste Frau im Bürgermeisteramt Darmstädter Stadtgeschichte geschrieben. Entscheidend ist aber auch, wofür sie ihre politische Verantwortung nutzt: für eine Stadt, in der Chancen nicht vom Einkommen der Eltern, vom Alter, vom Geschlecht, von einer Behinderung oder von einer persönlichen Krise abhängen. Kinderbetreuung, bezahlbares Wohnen, Schutz vor Gewalt und Unterstützung im eigenen Quartier sind keine freiwilligen Zugaben. Sie entscheiden darüber, ob Menschen selbstbestimmt leben und an unserer Stadt teilhaben können“, erklärt Hildegard Förster-Heldmann.

Die Bilanz ist messbar: Seit 2011 wurden gemeinsam mit Elterninitiativen, freien Trägern und städtischen Einrichtungen 1.752 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder geschaffen. Das Bündnis gegen Kinderarmut bringt Politik, Verwaltung, Wissenschaft und soziale Einrichtungen zusammen. Die Gemeinwesenarbeit wurde in neun Stadtteilen und Quartieren verankert, die Schulsozialarbeit und die offene Kinder- und Jugendarbeit wurden ausgebaut. Im Wohnungsbereich entstanden seit 2011 insgesamt 2.543 neue Sozialbindungen – unter anderem durch die verbindliche Quote von 45 Prozent gefördertem Wohnraum bei Neubauvorhaben und den Rückkauf von Belegungsrechten.

Mehr als 750 Magistratsvorlagen stehen für die Breite der Arbeit von Barbara Akdeniz. Hinter diesen Zahlen stehen jedoch keine Einzelleistungen. Sozialpolitik funktioniert nur im Zusammenspiel von Verwaltung, freien Trägern, Wohlfahrtsverbänden, Elterninitiativen, Vereinen und den vielen ehrenamtlich engagierten Menschen in Darmstadt. Dieses Netzwerk hat auch in Krisen getragen: bei der Aufnahme Tausender geflüchteter Menschen seit 2015, während der Corona-Pandemie und bei der Unterstützung der Menschen, die vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geflohen sind.

„Barbara Akdeniz hat Sozialpolitik nie als Reparaturbetrieb verstanden. Ihr Ansatz ist, Probleme früh zu erkennen, verlässliche Strukturen aufzubauen und Menschen zu stärken. Eine faire Stadt wartet nicht, bis jemand fällt. Sie spannt ein Sicherheitsnetz, das trägt, und eröffnet Wege zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Dafür stehen Prävention, Sozialraumorientierung, Beteiligung und Inklusion“, erklärt Heiko Depner.

Zu einer ehrlichen Bilanz gehört jedoch auch: Die Aufgaben sind nicht kleiner geworden. Der Ausbau der Kinderbetreuung muss quantitativ und qualitativ weitergehen. Bezahlbarer Wohnraum bleibt knapp. Armut und Wohnungslosigkeit, psychosoziale Belastungen, Einsamkeit, Suchterkrankungen und geschlechtsspezifische Gewalt verlangen wirksame und finanziell abgesicherte Antworten. Schulsozialarbeit, Gemeinwesenarbeit, Jugendhilfe, Suchtprävention, Pflegeberatung und Unterstützungsangebote dürfen nicht erst dann gestärkt werden, wenn sich soziale Probleme bereits verfestigt haben.

Zugleich werden die finanziellen Bedingungen schwieriger. Kürzungen und strukturelle Veränderungen auf Bundes- und Landesebene belasten die kommunalen Angebote. Eine Stadt kann diese Entwicklungen nicht vollständig ausgleichen. Sie kann aber entscheiden, welche Prioritäten sie in ihrem eigenen Haushalt setzt.

„Wer über den städtischen Haushalt spricht, darf soziale Infrastruktur nicht als Restgröße behandeln“, so Depner weiter. „Was heute bei Prävention, Kinderbetreuung oder Beratung eingespart wird, fehlt morgen bei Bildungschancen, gesellschaftlicher Teilhabe und dem Zusammenhalt unserer Stadt. Das in 15 Jahren Erreichte ist deshalb kein Grund, sich zurückzulehnen. Es ist ein Auftrag, diese Strukturen zu sichern und dort weiterzuentwickeln, wo Menschen noch immer durch das Netz zu fallen drohen.“

„Barbara Akdeniz hat politisch viel erreicht, ohne die einzelnen Menschen aus dem Blick zu verlieren“, ergänzt Förster-Heldmann. „Dafür danken wir ihr – und werden gemeinsam mit ihr weiter für eine solidarische, vielfältige und gerechte Stadt arbeiten, in der niemand zurückgelassen wird.“