Informations- und Diskussionsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen im Goldnen Löwen Arheilgen
Der Einsatz digitaler Medien und die intensive Nutzung von Social Media Plattformen prägen den Alltag und die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in hohem Maß. Sie sind einerseits Möglichkeitsraum und bergen andererseits erhebliche Gefahren. In Bezug auf die Schulen wurde in den letzten Jahren intensiv über digitale Ausstattung, technischen Support und die notwendige Infrastruktur diskutiert. Konsens herrscht darüber, dass sich Schüler*innen auf die von Digitalität geprägt Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten müssen. Gute Bildung erfordert jedoch mehr als Glasfaseranschluss, WLAN-Verbindung, Tablet und elektronische Tafeln.
Vor diesem Hintergrund hatte der Arbeitskreis Bildung von Bündnis 90/Die Grünen zusammen mit den bildungspolitisch Engagierten der Grünen Kommunalwahlliste zur Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Expert*innen, Schüler*innen und Eltern nach Arheilgen in den Goldnen Löwen eingeladen.
Peter Holnick, Geschäftsführer des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation, beleuchtete zum Einstieg verschiedene Facetten der Bedeutung digitaler Medien für die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Sie ermöglichen es, praktisch jederzeit mit anderen in Verbindung zu sein, Informationen auszutauschen und sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Andererseits zeigen sich auch die Risiken ausufernder Nutzungszeiten immer deutlicher: Reale soziale Beziehungen und die unmittelbare Wahrnehmung des Umfelds können leiden. Die Gefahr von Manipulation ist real. Entwicklung und Stärkung von Medienkompetenz für Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte sind unabdingbar. Das Haus der der digitalen Medienbildung bietet dazu in einzigartiger und kreativer Weise Reflexion und Diskussion rund um alle Formen digitaler Medien, seien es Messengerdienste oder Social Media, Podcasts, E-Books oder der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Angebote stellen dabei den Menschen und seine Haltung zur Mediennutzung in den Mittelpunkt. „In unseren Workshops wird weniger über Technik gelernt, vielmehr über die Erfahrungen der Nutzenden“, so Petere Holnick.
Murat Alpoğuz, Lehrer und didaktischer Leiter an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt, ging auf die Chancen beim Einsatz digitaler Medien und Plattformen in den Schulen ein. „Wir brauchen eine zeitgemäße Lernkultur der Digitalität“, war eine seiner Kernaussagen. Individualisiertes und flexibles Lernen muss ermöglicht werden. Digitale Medien können dabei motivierende Aufgabenstellungen und Lernformate unterstützen, ebenso wie die Teamarbeit – unter Schüler*innen und Lehrkräften gleichermaßen.
Die Perspektive von Schüler*innen brachte Joseph Hackenberg, Schüler in der 12. Jahrgangsstufe an der Edith-Stein-Schule, ein. Er betonte, dass der Einsatz von Tablets und Notebooks keine soziale Benachteiligung mit sich bringen dürfe. Das sei beispielsweise dann der Fall, wenn diese selbst finanziert werden müssen. Zudem forderte er, mehr auf Transparenz, Unabhängigkeit und Sicherheit bei Entscheidungen zu Softwareauswahl, Cloud-Nutzung und KI-Systemen zu achten. Sigita Urdze verwies aus der Sicht der Eltern auf die große Bedeutung der Schule als wichtige Instanz für die Mediensozialisation und die Vermittlung von Medienkompetenz. Dies könne allerdings nur gelingen, wenn entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen. Zudem brauche es einen guten Austausch und klare Konzepte der gesamten Schulgemeinschaft.
Bürgermeisterin Akdeniz ordnete die Themen digitale Bildung und Medienkompetenz in das Verständnis von Jugendpolitik als Querschnittsaufgabe ein. „Jugendpolitik umfasst alle Lebensbereiche. Bildung und Digitalisierung gehören dazu, genauso wie etwa Gesundheit, Kultur, Demokratie, Vielfalt und Integration“, war eine zentrale Aussage. „Wir brauchen dazu verlässliche Strukturen, verbindliche Beteiligung, starke Prävention und vielfältige Erfahrungsräume.“
Die Expert*innen und Impulsgebenden hatten damit viele Facetten der Thematik vorgestellt. Entsprechend ergab sich daraus eine intensive, fachkundige und konstruktive Diskussion mit den anwesenden Gästen und Kommunalpolitiker*innen.
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