Eva Bredow-Cordiers Rede zum Neujahrsempfang am 13.02.2026

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Darmstädterinnen und Darmstädter,


jetzt stehe ich hier – wo ich doch jahrelang bei Grünen Jahresempfängen immer hinten stand, mir die Reden angehört und oft darauf gewartet habe, dass sie vorbei waren und wir endlich miteinander reden können. Und jetzt stehe ich hier. Und ihr müsst mir zuhören.
Das ist schon ein Rollenwechsel.

Und weil ich weiß, wie sich das anfühlt,gebe ich mir Mühe, euch nicht nur zu informieren — sondern zu überzeugen. Und danach reden wir miteinander.
Versprochen!

Was könnt ihr heute von mir erwarten?

Einen Blick darauf, wie sich in den letzten zehn Jahren das Sag- und Machbare verschoben hat.
Warum Zusammenhalt heute politisch entscheidend ist.
Warum das Thema Chancen mich antreibt.
Und warum es am 15. März starke Grüne braucht, damit Darmstadt nicht stehen bleibt.

Vor zehn Jahren begann sich die politische Sprache zu verändern. Was zunächst wie einzelne Entgleisungen wirkte, war in Wahrheit Strategie:Grenzen verschieben.
Radikale Positionen normalisieren.
Menschenfeindlichkeit salonfähig machen.

Das war, als Beatrix von Storch „auf der Maus ausrutschte“ und auf Facebook auf die Frage, ob man an den Grenzen notfalls auch auf Frauen und Kinder schießen dürfe, mit Ja antwortete.

Als vor sechs Jahren der damalige Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion sagte: Je schlechter es Deutschland geht — desto besser für die AfD. Und weiter: Wir können die Migranten nachher immer noch alle erschießen. Oder vergasen. Oder wie du willst. Dieser Mann
arbeitet heute wieder im Bundestag.

Jede radikale, menschenfeindliche Aussage verschiebt die Grenze dessen, was öffentlich noch denkbar — und irgendwann auch sagbar, machbar — wird.


Warum erzähle ich das? Weil die Welt heute eine völlig andere ist,
als noch vor fünf oder zehn Jahren. Und darum müssen wir heute lauter sein. Klarer sein. Mutiger sein. Und für unsere Demokratie heute eintreten.

Für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin Eva Bredow-Cordier,
61 Jahre alt.

Ich bin verheiratet, habe drei erwachsene Kinder und bin seit gut zwei Jahren Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament — und jetzt grüne Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl.

Ich habe Politikwissenschaft studiert und wollte immer gestalten — und dieser Weg hat mich vor fünf Jahren in die Kommunalpolitik geführt.

Von euch wurde ich unglaublich herzlich aufgenommen.

Seitdem weiß ich: Die Quote macht einen Unterschied. Ich erlebe diesen Unterschied auch beruflich als Leiterin der Unternehmenskommunikation am Klinikum Darmstadt.

In meinem Job geht es um Gesundheitsversorgung. Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge. Und sie muss für alle funktionieren. Man darf nicht an den Zähnen sehen, wer wieviel Geld hat.

Gerade in Zeiten knapper Kassen und Fachkräftemangel ist der Zusammenschluss mit dem Elisabethenstift mutig, richtig und wegweisend.

Warum ich Politik mache? Weil ich gestalten will. Weil ich mich einmischen will. Weil ich unser Leben in dieser Stadt besser machen will. Gerechter. Lebenswerter. Liebenswerter.

Ich mache Politik für meine drei Kinder — und besonders für meine Tochter.

Denn Demokratie, Gleichberechtigung und Frauenrechte sind nicht selbstverständlich. Sie müssen verteidigt werden. Jetzt.

Und jetzt bin ich schon beim Thema Zusammenhalt. Zusammenhalt entscheidet über unsere Zukunft.

In Minneapolis fahren Menschen seit Wochen ihre Nachbarinnen zur Arbeit, begleiten andere ins Krankenhaus, weil diese Angst haben müssen, allein unterwegs zu sein. Sie prüfen vorher, ob sie verfolgt werden. Das passiert in einer Demokratie. Nur ein Jahr politischer Radikalisierung kann reichen, um Vertrauen, Sicherheit und Freiheit zu zerstören. Das muss uns warnen. Und wenn ICE jetzt abgezogen werden soll, zeigt das gleichzeitig:
Zusammenhalt ist die Antwort.

Darmstadt ist vielfältig. 45 Prozent der Menschen hier haben eine Migrationsgeschichte. Menschen sind schwarz oder weiß, tragen Kopftuch oder Bart, oder nichts davon heißen Mohammed oder David. Niemand kann sehen, wer dazugehört. Und genau so ist es richtig.

Es gibt Probleme beim Thema Integration. Ja. Aber Migration ist nicht die Ursache aller Probleme. Wer ernsthaft über das Stadtbild reden will,
muss über Armut, Bildung, Integration, Sozialpolitik und Stadtplanung sprechen. Nicht über einfache Feindbilder.

Und genau deshalb stören mich diese Plakate so: „Wir holen die Stadt zurück!“ Wer ist wir?  Und wem gehört sie denn jetzt? Komplexe Zusammenhänge zu banalisieren, ist gefährlich. Das spielt den Rechten in die Hände. Und: Solche Plakate zahlen genau darauf ein.

Nicht Migrant*innen sind das Problem. Und das lässt sich auch nicht mit Abschiebungen lösen. Probleme sind: Kinderarmut. Wohnungsnot. Gewalt gegen Frauen. Toxische Männlichkeit. Bildungsungleichheit.

Arme Menschen sterben acht Jahre früher. Dabei ist Gesundheit ein Menschenrecht. So wie soziale Teilhabe Kern einer solidarischen und gerechten Stadt ist.

In Darmstadt leben 5.000 Kinder in Armut. Gewalt gegen Frauen kostet unsere Gesellschaft bis zu 54 Milliarden Euro im Jahr. Jede dritte Frau erlebt Gewalt. Zwei von drei Frauen erleben sexuelle Belästigung.
 Jeden Tag wird eine Frau in Deutschland getötet.

Eine kaputtgesparte öffentliche Daseinsvorsorge – auch das ist ein Problem. Den Menschen das Gefühl zu geben, nichts geht mehr, nichts funktioniert mehr, das gefährdet unsere Demokratie.

Und wenn es der neuen Bundesregierung nicht gelingt, die bereitstehenden Investitionsmilliarden auszugeben, dann zahlt auch das genau auf dieses Gefühl ein.

Ja, ich habe Teilzeit gearbeitet. Viele Jahre Familie und Beruf organisiert. Wie so viele Frauen. Ich hatte Glück und dabei immer meinen Mann an meiner Seite. Das als „Lifestyle-Teilzeit“ zu bezeichnen, ist respektlos gegenüber Millionen Frauen, die Care-Arbeit leisten und Altersarmut riskieren.

Mütter verdienen im Schnitt 30.000 Euro weniger im Jahr nach dem ersten Kind. Und nur wenige holen das jemals wieder auf.

Echte Gleichstellung heißt: Care-Arbeit fair verteilen. Karrieren neu denken. Und dafür sorgen, dass Kinderkriegen nicht nur die Lebenswege von Frauen verändert.

Statt Teilzeit abzuschaffen, gilt es doch in einer modernen Gesellschaft
Erwerbsarbeit und Carearbeit gleich zu verteilen. Das ist unser Kompass. Und dafür treten wir Grüne an.

Jetzt komme ich zu den Chancen.

Unsere Demokratie lebt von Menschen, die mitfühlen und sich einmischen. Von Menschen, die zuhören, bevor sie urteilen. Empathie ist keine Schwäche. Sie ist das Gegenteil davon. Empathie verhindert, dass wir abstumpfen. Sie erinnert uns daran, dass wir füreinander Verantwortung tragen.

Menschlichkeit und Empathie sind zwei der zentralen Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit. Ich sage: Nur mit Menschlichkeit und Empathie hat unsere Demokratie eine Zukunft. Jemand hat einmal gesagt, Empathie sei meine Superkraft. Stimmt. So ist es!

Ich mache Politik für die konkreten Lebensrealitäten der Menschen: Ich stehe für eine Politik des Kümmerns — ohne zu bevormunden. Für starke Quartiere. Für soziale Infrastruktur. Für bezahlbares Wohnen. Für eine barrierefreie Gesundheitsversorgung. Für Chancen von Anfang an.

Ich stehe für eine soziale, verantwortungsvolle und menschliche Politik. Eine Politik, die Chancen schafft, Zusammenhalt stärkt und das Leben in unserer Stadt konkret verbessert.

Deshalb steht auf meinen Plakaten: Mit dir – für Chancen und Zusammenhalt.

Wofür braucht es starke Grüne?

Es braucht starke Grüne, weil wir Mobilität in die Breite denken — vom Fußgänger bis zur Autofahrerin. Der Modalsplit hat sich messbar verändert — in unserer Zeit durch konkrete Politik.

Es braucht starke Grüne, weil wir in der Kinderbetreuung und Bildung Qualität und Quantität zusammendenken.

Es braucht starke Grüne, weil wir den Mut haben, Veränderungen wirklich anzugehen.

Und ja: Es braucht starke Grüne, damit unsere Stadt nicht im Stillstand
zurück in die piefigen achtziger Jahre purzelt.

Seit Juni 2023 stellen wir keinen OB mehr in dieser Stadt — und leider merkt man das sehr. Stillstand ist keine Option. 25 Prozent braucht es,
um Gesellschaften zu drehen. Lasst uns diese 25 Prozent sein!

Viele behaupten, Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke passten nicht zusammen. Aber das ist kein Sachargument. Das ist ein Problem des politischen Diskurses. Und unsere Aufgabe ist es, dem entschieden zu widersprechen.

Denn wir wissen: Wenn etwas unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, dann ist es nicht der Wandel — sondern das Versäumnis, rechtzeitig in Veränderung und Transformation zu investieren.

Heute lassen wir mal den Ludwig beiseite und zitieren Sokrates, der einmal gesagt hat: Das Geheimnis des Wandels besteht darin, seine ganze Energie nicht auf das Bekämpfen des Alten, sondern auf den Aufbau des Neuen zu richten.

Genau das tun wir. Wir bauen Neues auf. Wir sind die Partei der Bündnisse. Wir hören zu, wir streiten und wir übernehmen Verantwortung. Das ist es, was uns ausmacht. Das ist es, was uns trägt. Unsere Partei ist so viel breiter als der Wunsch mancher, sie nur in die Mitte zu führen. Und sie ist so viel größer als der Wunsch anderer, sie weiter nach links zu rücken.

Wir sind beides. Und genau deshalb sind wir stark. Weil wir diese Unterschiedlichkeit aushalten. Weil wir sie leben. Weil wir Vielfalt nicht als Problem sehen — sondern als Kraftquelle.

Wir Darmstädter Grünen wollen weiter in Führung sein. Wir wollen Darmstadt weiter verändern.

Mehr Bäume.
Mehr Schatten.
Mehr Begegnung.
Lebendige Quartiere.
Mehr Räume für kreative Ideen.
Eine lebendige Innenstadt.
Mehr Zusammenhalt und faire Chancen.

Und ja: einen Heinerblock mit weniger Autos und mehr Lebensqualität.  Als ein Anfang.

Das ist keine Ideologie — das ist moderne Stadtpolitik so wie wir sie verstehen.

Wir haben in den letzten fünf Jahren geliefert:

Bündnis gegen Kinderarmut, 
Jugendplenum, 
Neubau Frauenhaus ist auf dem Weg
Projekt für wohnungslose Menschen mit psychischen Erkrankungen,
Ausbau der Schulsozialarbeit, 
der Gemeinwesenarbeit, 
neue Kitas und neue Schulen

Förderprogramme für Photovoltaik und Zisternen, 
Leitbild Wald, Tiny Forest und Wildnisfläche, 
Klimaanpassungs- und Hitzeaktionsplan, 
Wärmewende und neue Stadtwirtschaftsstrategie

Ein wachsendes Radwegenetz, 
10-Minuten-Takt im ÖPNV, 
bei dem zwei Drittel der Busflotte elektrisch fährt.

Grüne können auch Finanzen: Genehmigte Haushalte trotz Sparauflagen. Kein Kahlschlag bei freiwilligen Leistungen. Festhalten an Darmstädter Standards. 

Und ja, auch das muss ich betonen: Verteidigung von Architektenwettbewerben bei städtebaulich wichtigen Vorhaben. Leitlinien für nachhaltigen Hochbau, hessenweit Spitze bei Start-ups.

All das sind nur Blitzlichter.

Darauf ruhen wir uns nicht aus, sondern legen nach: Wir wollen Quartierszentren zu Häusern der Gesundheit ausbauen — Gemeindepflege in allen Stadtteilen, mehr Suizidprävention, bessere kinder- und jugendpsychiatrische Angebote, Housing first und eine Lebensendstation für Wohnungslose.

Aufnahme im WHO-Netzwerk Age-friendly Cities, ein Haus für Alle als Treff- und Arbeitsort für Initiativen, bezahlbaren Wohnraum ausbauen,
ein 10-Punkte-Plan für Drogensüchtige und den Herrngarten.

Wir wollen dreimal so viele Bäume pflanzen. Jedes Jahr 5 Kilometer neue Radwege bauen. Wir haben die Mathildenhöhe zur Welterbestätte gemacht — und gleichzeitig eine neue Wirkungsstätte für den OHA e.V. ermöglicht.

Bewahren und Möglichmachen gehören für uns zusammen.

Und deshalb setzen wir uns dafür ein, dass das Infozentrum günstiger wird und dass das neue Gebäude eben kein Ticketshop in die Vergangenheit wird — sondern dass dort ein lebendiger neuer Kulturort entsteht, eine Stätte, in der der Geist der Mathildenhöhe weiterwirken kann. Ein Ort, der Hoch- und Subkultur erlebbar macht. Mit einem gemeinschaftlich erarbeiteten Kulturkonzept. Das ist unsere Antwort.

Aus dem Osthang lernen darf nicht heißen: bloß keine Zwischennutzungen ermöglichen. Sondern: Jetzt erst recht.

Mit einem Antrag sorgen wir nächste Woche  in der Stadtverordnetenversammlung dafür, dass die Stadt eigene Liegenschaften systematisch erfasst und temporäre Nutzungen proaktiv ermöglicht — als neue Räume für Kultur, Sport und Initiativen.

Warum also uns die Stimmen geben?

Weil nur wir diese drei Dinge zusammen denken:

Soziales.
Wirtschaft.
Klimaschutz.

Nicht gegeneinander.
Nicht nacheinander.
Sondern gleichzeitig.

Warum solltet ihr – warum sollten die Darmstädterinnen und Darmstädter – bei dieser Kommunalwahl die Grünen wählen? 

Weil diese Stadt mit uns grüner, gerechter und nachhaltiger wird. Diese Kommunalwahl entscheidet, ob Darmstadt mutig oder mutlos, gerecht oder ungerecht, modern oder rückwärtsgewandt in die Zukunft geht.

Wir kämpfen um Platz 1. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil diese Stadt starke Grüne braucht, damit Darmstadt modern und zukunftsfähig bleibt.

Und weil Darmstadt starke Grüne braucht, wenn es nicht im Stillstand versinken soll. 

Bevor ich jetzt wirklich zum Schluss komme, versprochen :

Danke für eure Unterstützung.

Danke an Iris und Yücel, an Stefanie, Hilde, an Barbara und Michael. Ihr wart meine ersten Unterstützerinnen bei den Grünen. 

Danke an den Parteivorstand und ganz besonders an die ganze Fraktion!


Danke ans Profilager Jochen und Dany, Brigitte, Philipp und Andreas für eure Erfahrungen und Tipps und dafür, dass ihr hinter uns steht!

Danke an Heiko – wir sind ein super Spitzenteam! 


Danke an alle in beiden Büros, 

Danke an alle, die sich engagieren.

Diese Partei lebt von euch.

Gemeinsam tragen wir Grüne Ideen und Konzepte in die Stadt.

Die Zukunft Darmstadts entscheidet sich jetzt.

Und deshalb sage ich zum Schluss ganz klar: Wer grüne Inhalte will,
muss grün wählen.

Wir wollen diese Stadt ökologisch, modern und solidarisch weiterentwickeln — mit einem klaren gemeinsamen Ziel: Zusammenhalt und Fortschritt.

Dafür braucht es starke Grüne.

Und dafür braucht es euch alle —´so wie ihr hier sitzt und steht.

Wir brauchen eure Energie.
Eure Freundinnen und Freunde.
Eure Partnerinnen und Partner.
Wir brauchen euren Mut.
Und eure Zuversicht.

Wir kämpfen in den nächsten Wochen
um jede Stimme.
Um jedes Kreuz

Um jede der 71 Stimmen

Mutig.
Mit guter Laune.
Selbstbewusst.
Gemeinsam.

Lasst uns die 25 Prozent sein.

Vielen Dank.

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