Frauenpolitik

Selbstbestimmung, Gleichberechtigung
und die Hälfte der Zeit, Macht und Verantwortung den Frauen

Die Parteigeschichte und Politik der GRÜNEN ist geprägt von Feminismus und dem Kampf für Gleichberechtigung. In Darmstadt sind wir bereits 1985 mit einer weiblichen Spitze in die Stadtverordnetenversammlung eingezogen. Wir haben gemeinsam viel erreicht. Frauen haben sich mehr Rechte, mehr Chancen und mehr Repräsentanz erkämpft. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel und müssen uns weiter engagiert gegen Ewiggestrige und Tendenzen der Retraditionalisierung stellen.

Bis Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und die Hälfte der Zeit, Macht und Verantwortung für Frauen Realität werden, bleibt eine offensive Frauenpolitik eines unserer Kernthemen.
Wir GRÜNE stehen für eine eigenständige Frauenpolitik und setzen uns gleichzeitig dafür ein, dass die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen auch in allen anderen Politikfeldern endlich die Berücksichtigung erfahren, die sie verdienen.

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1. Selbstbestimmung

Wir wollen, dass Frauen in allen Lebensphasen und in allen Lebensentwürfen ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben ermöglicht wird.

1.1. Schutz vor häuslicher Gewalt

Sexualisierte, physische und psychische Gewalt gegen Frauen insbesondere im häuslichen Bereich ist für viele Frauen leider immer noch Alltag. Nur wer ausreichend Unterstützung und Schutz vor Gewalt durch sicher finanzierte Strukturen und Hilfsangebote auf Augenhöhe erfährt, kann auch selbstbestimmt und frei leben. Deswegen ist die Stärkung von Frauenrechten, die Ausweitung und Festigung des Gewaltschutzes sowie dessen gute und sichere Finanzierung für uns GRÜNE unverhandelbar.
In den Corona-Zeiten hat sich gezeigt: In Darmstadt besteht bereits ein sehr gutes Netzwerk gegen häusliche Gewalt. Die präventiven Maßnahmen wurden in den vergangenen Jahren ausgebaut, das Frauenhaus, die Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt sowie eine wirkungsvolle Täterarbeit stehen auf einem sicheren finanziellen Fundament. Das reicht aber noch nicht. Die Verhütung geschlechtsspezifischer Gewalt ist für uns weiterhin ein zentrales Thema.
>>> Wir setzen uns dafür ein, dass die Istanbul-Konvention auf kommunaler Ebene umfassend umgesetzt wird. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme werden wir eine Bewertung vornehmen und weitere Schutzmaßnahmen und passgenaue Hilfsangebote auf den Weg bringen.
>>> Wir wollen die Kapazität des Frauenhauses analog zu den Forderungen der Istanbul-Konvention auf mindestens 16 Familienzimmer und barrierefreie Zugänglichkeit ausbauen.

Es muss klar sein, dass es in Darmstadt eine Null-Toleranz-Haltung gegenüber geschlechtsspezifischer Gewalt gilt. Prävention fängt für uns bereits im Kindesalter und mit gezielter Mädchen-Empowerment-Arbeit an. Neben finanzieller Unterstützung braucht es eine öffentliche Debatte über Gewaltverhältnisse und strukturelle Gewalt sowie Sensibilisierungsarbeit.
Da Gewaltschutz und Gewaltprävention gesellschaftliche Pflichtaufgaben sind, die kommunal gesteuert, aber von Bund und Land finanziert werden müssen, setzen wir uns als GRÜNE auch im Rahmen unserer Möglichkeiten auf Landes- und Bundesebene aktiv dafür ein, dass diese Themen den Stellenwert bekommen, den sie brauchen.
>>> Wir GRÜNE machen uns dafür stark, dass in Darmstadt jede Frau, ungeachtet ihrer Herkunft, Ethnie, ihres Alters oder ihres sozialen Status, auf ein breites Unterstützungsnetzwerk zurückgreifen kann.

1.2. Weitere Dimensionen von Gewaltschutz

Neben der Gewalt im häuslichen Nahbereich erfahren Frauen häufig auch in anderen Situationen sexualisierte und sexuelle Gewalt. Dabei trifft es oft sogenannte Randgruppen, wie zum Beispiel Frauen, die in Berufsfeldern arbeiten, die sozial wenig Ansehen genießen oder Frauen, die nur sporadisch einen oder gar keinen festen Wohnsitz haben. Für diese Fälle braucht es ein Auffangnetz in Darmstadt, an dem wir GRÜNE gemeinsam mit Trägern arbeiten wollen. Ein Beispiel für bereits bestehende und unterstützenswerte Strukturen ist das Projekt OYA als Ansprechpartner für Sexarbeiterinnen in der Straßenprostitution.
>>> Wir setzen uns dafür ein, dass der Gewaltschutz im nicht-häuslichen Bereich weiter ausgebaut wird.

Darmstadt ist nicht nur Wissenschaftsstadt, sondern bietet auch eine vielfältige Club- und Kulturszene. Das Abend- und Nachtleben steht für viele Frauen aber in Verbindung mit unangenehmen Situationen oder Grenzüberschreitungen. Kampagnen wie „Ist Luisa hier?“, die ein niederschwelliges Hilfsangebot für Frauen und Mädchen bei sexueller Belästigung darstellt und an der viele Clubs und Bars in Darmstadt bereits teilnehmen, unterstützen wir und wollen sie bekannter machen.
>>> Wir möchten, dass in allen Darmstädter Clubs kostenlose Schnelltests für K.O.-Tropfen zur Verfügung gestellt werden.
>>> Wir werden die öffentliche Debatte und Sensibilisierung weiter voran treiben, damit der Clubbesuch für alle Menschen ohne negative Zwischenfälle verläuft und auch der Heimweg sicher ist.

1.3. Freier Zugang zu Beratungsstellen

Zu einem selbstbestimmten Leben gehört auch die Möglichkeit, sich in allen Lebenslagen umfassend und ungehindert informieren zu können. Deswegen stehen wir GRÜNE in Darmstadt an der Seite aller Beratungsstellen, die für Frauen in schwierigen Situationen Anlaufstelle sind, insbesondere bei Fragen der Schwangerschaft und des Schwangerschaftsabbruchs.
>>> Wir stellen uns auch in Zukunft geschlossen Antifeminist*innen in den Weg, wenn diese – egal ob fundamentalistisch oder nationalistisch motiviert – den Zugang zu einer unabhängigen Beratung oder die Arbeit einer Beratungsstellen versuchen zu erschweren oder gar zu unterbinden.

1.4. Soforthilfe nach Vergewaltigungen

Die hohe Dunkelziffer bei Vergewaltigungen zeigt, dass die Anzeige von Fällen sexualisierter Gewalt erleichtert werden muss. Dennoch dürfen Betroffene in dieser psychisch oft stark belastenden Situation nicht zur Anzeige gedrängt werden, sondern sollten den Zeitpunkt ihrer Anzeige selbst wählen können. In Darmstadt gibt es daher bereits die Möglichkeit, nach einer Vergewaltigung medizinische Beweise aufzunehmen, ohne sofort Anzeige zu erstatten. Auf diese Möglichkeit sollten alle Betroffenen, die sich nach einer Vergewaltigung im Krankenhaus, Frauenhaus, Obdachlosenwohnheim oder sonstigen städtischen Einrichtungen melden, hingewiesen werden.
>>> Wir wollen die Möglichkeit der vertrauensvollen und medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigungen weiter bekannt machen und vor allem finanziell absichern.
>>> Wir machen uns für Sensibilisierungstrainings für die Polizei im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt stark.

1.5. Frauen – und mädchenpolitische Netzwerkarbeit

In Darmstadt leben 80.528. Frauen und Mädchen (Stand 12.2019). Das sind 48,8 % der Bevölkerung. Ihre Interessen werden von zahlreichen Institutionen und Verbänden vertreten. Diese sind teilweise hauptamtlich, in weiten Teilen jedoch ehrenamtlich tätig. Sie bieten Angebote zur Gesundheitsförderung, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Integration und leisten einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation Darmstädter Frauengeschichte sowie zur Frauen- und Sozialpolitik. Diese großartige Arbeit werden wir GRÜNE auch in Zukunft durch eine gute und planbare Finanzierung, sowie Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit
sichern.

1.6. Mädchenarbeit – Run like a Girl!

Wir GRÜNE kämpfen dafür, dass alle Mädchen mit dem Bewusstsein aufwachsen, alles schaffen zu können, was sie wollen. Gezielte und adressatenorientierte Mädchenarbeit ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Politikfeld. Die bereits bestehenden Empowerment-Programme, wie zum Beispiel Wen-Do-Selbstverteidigungskurse, unterstützen wir.
Für uns bedeutet Mädchenarbeit, dass alle Mädchen und jungen Frauen – genauso wie sie sind und leben wollen – unterstützt, akzeptiert und gefördert werden. Wir unterstützen die am 26.09.2010 beschlossenen und vom gegenwärtigen Mädchen*arbeitskreis überarbeiteten Darmstädter Leitlinien zur Förderung der Mädchen*arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe. Der neue Ansatz umfasst erstmalig Intersektionalität und Queer, versteht sich als explizit rassismuskritisch und antisexistisch und stellt sich gegen Homo- und Trans*feindlichkeiten. Essentiell dabei ist auch die Partizipation von Mädchen* und jungen Frauen.
>>> Wir wollen die Möglichkeiten bereitstellen, Wen-Do-Selbstverteidigungskurse in allen Stadtteilen in Darmstadt weiter auszubauen oder zu starten.
>>> Um Mädchen auch beruflich von den Einschränkungen gesellschaftlicher Rollenbilder frei zu machen, unterstützen wir den Girls Day in Darmstädter Schulen und Unternehmen.

1.7. Hygiene- und Verhütungsmittel dürfen kein Luxus sein

Ein zentraler Aspekt der Selbstbestimmung ist die Bestimmung über den eigenen Körper und die eigene Sexualität. Darmstädter*innen, die über wenig Einkommen verfügen, können über den Verhütungsmittelfonds eine anteilige Kostenübernahme für Verhütungsmittel beantragen. Diese Möglichkeit wollen wir ausbauen.
>>> Wir setzen uns für für eine kostenfreie und unbürokratische Ausgabe von Menstruationsartikeln und Verhütungsmitteln in städtischen Einrichtungen wie Bibliotheken, Behörden, Beratungsstellen und öffentlichen Toiletten ein.
>>> Auch die in Darmstadt verfügbaren „Netten Toiletten“, bei denen man in teilnehmenden Restaurants und Geschäften kostenfrei die Toilette benutzen darf, möchten wir besser kennzeichnen und nach Möglichkeit ebenfalls mit kostenlosen Menstruationsartikeln ausstatten.

1.8. Selbstbestimmung in jedem Lebensalter

Frauen sind im Alter sehr viel häufiger von Altersarmut betroffen, was oft mit einer eingeschränkten Teilhabe im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich einhergeht. Es braucht Unterstützungssysteme für alleinstehende, ältere Frauen und Konzepte, um die Herausforderungen und Schwierigkeiten von Altersarmut und Einsamkeit durch kommunale Maßnahmen zu lösen.
>>> Wir wollen die Selbstbestimmung im Alter – vor allem in den Quartieren – durch gezielte Projekte und Angebote fördern.

1.9. Selbstbestimmte und geschützte Räume

GRÜNE Frauenpolitik sucht den Dialog, hat aber auch im Blick, dass Frauen und Mädchen selbstbestimmte und geschützte Räume brauchen.
>>> Wir GRÜNE unterstützen Orte wie das Frauenzentrum und kämpfen für ihren Erhalt und entsprechende finanzielle Unterstützung.

1.10. Institutionalisierte Frauenpolitik

Institutionalisierte Frauenpolitik hat in Darmstadt mit dem Frauenbüro, den Frauenbeauftragten, den Frauenförderplänen und der Quote bei den Aufsichtsgremien eine lange Tradition. Zusammen mit den vielfältigen Frauengruppen und -organisationen haben wir in Darmstadt ein breites Frauennetzwerk, das an der Geschlechtergerechtigkeit arbeitet und für diese eintritt. Diese Art der Darmstädter Frauenpolitik wollen wir in den nächsten fünf Jahren in allen Bereichen der Stadtpolitik fortsetzen und stärken. Das Frauenbüro ist dabei die zentrale Fachstelle.
>>> Wir setzen uns dafür ein, dass auf allen Kommunikationswegen der Stadt gendergerechte Sprache verwendet wird.

2. Gleichberechtigung

Chancengerechtigkeit und Gleichberechtigung stehen für uns im Mittelpunkt. Dabei geht es auch darum, die Lebensentwürfe von Frauen in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit zu erkennen, zu akzeptieren und zu fördern.

2.1. Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene

Die Stadt hat 2015 die „Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“ unterzeichnet. Wir GRÜNE bekennen uns ausdrücklich zu den Verpflichtungen und Maßnahmen der Charta in den Handlungsfeldern Erwerbsleben, Entscheidungsprozesse, geschlechtsspezifische Gewalt, Geschlechterstereotypen und Ressourcenverteilung. Deswegen haben wir in Darmstadt in der vergangenen Legislaturperiode zusammen mit Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung sowie unter großer Beteiligung von Bürger*innen und Expert*innen einen „Ersten Gleichstellungsaktionsplan“ erarbeitet. Im „Ersten Aktionsplan“ liegt dabei der Fokus auf gleichberechtigter Teilhabe am Erwerbsleben.
Viele der im EU-Programm vorgesehenen Maßnahmen wie Partizipation, Beratungs- und Unterstützungsstrukturen wurden in Darmstadt bereits umgesetzt. Zentral waren für uns auf dem bisherigen Weg dabei unter anderem die Einführung einer 50%-Quote bei der Besetzung städtischer Aufsichtsräte. Für deren tatsächliche Einhaltung setzen wir GRÜNE uns auch in der nächsten Legislatur konsequent ein. Die Stadtwirtschaft muss bei der Förderung und der Frage nach Frauen in Führungspositionen offensiv vorangehen. > Wirtschaft und Finanzen
Jetzt gilt es, den Gleichstellungsaktionsplan weiter umzusetzen und ständig zu evaluieren, anzupassen und weiterzuentwickeln sowie gleichzeitig einen „Zweiten Aktionsplan“ mit Schwerpunkt auf der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt zu erarbeiten.

2.2. Arbeitsmarktpolitik für Frauen

Ein wichtiger Teil frauenpolitischer Forderungen und Maßnahmen ist die eigenständige Existenzsicherung von Frauen und damit ihre finanzielle Unabhängigkeit. Wir setzen uns für gleiche Karrierechancen für Mütter, Väter und Pflegende ein und fordern gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Es braucht einen gleichberechtigten Zugang zu Führungspositionen in Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle.
In den kommenden fünf Jahren wollen wir die Chancengerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt für Mädchen und Frauen durch zielgruppenspezifische Maßnahmen und Projekte weiter verbessern.
Lokale Frauenbildungseinrichtungen, die im frauenpolitischen Netzwerk fest verankert sind, sollen gefördert werden, damit bedarfsgerechte Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für Frauen ausreichend zur Verfügung stehen. Bereits bestehende Angebote wie Karriere-Netzwerke, Fortbildungsangebote und Empowerment-Programme für Frauen in der Stadtwirtschaft oder -verwaltung wollen wir noch bekannter machen, damit möglichst viele Frauen davon profitieren. Daneben wird in Darmstadt auch ein unternehmensübergreifendes Netzwerk entstehen, dass die verfassungsrechtliche Verpflichtung zur Förderung von Frauen
hier vor Ort umsetzt.
>>> Wir machen uns dafür stark, dass auch in den kommenden fünf Jahren städtische Mittel sowie Bundes- und EU-Gelder für die Qualifizierung von Frauen und für Wiedereinstiegsprogramme eingesetzt werden.
>>> Es ist auch künftig erforderlich, die Beschäftigungspolitik und
Qualifizierungsprogramme zur Wiederaufnahme von Erwerbsarbeit (z. B. nach Arbeitslosigkeit oder bei beruflichem Wiedereinstieg) auf geschlechtsspezifische Anforderungen auszurichten.

>>> Wir werden gezielte Angebote im Bereich Berufswahl, Kampagnen für Entgeltgleichheit und Förderprogramme für Alleinerziehende auf den Weg bringen.
>>> Wir werden ein Zeichen setzen für die bessere Bezahlung von Menschen in sozialen und pflegenden Berufen. Deswegen wollen wir in Darmstadt bereits jetzt die Entgeltgruppe 8b statt 8a bezahlen.
>>> Auf die konsequente Umsetzung der vorhandenen Gesetze wie dem Hessischen Gleichberechtigungsgesetz werden wir in unserer Stadt ein besonderes Augenmerk legen – gerade der Öffentliche Dienst muss hier mit gutem Beispiel voran gehen.
>>> Mädchen und Frauen mit Fluchterfahrung wollen wir noch stärker durch gezielte Förderung und Angebote im Bereich von Sprache, psychosozialer Beratung sowie Aus- und Weiterbildung unterstützen.

2.3. Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ist nach wie vor ein zentrales Thema sowohl für Mütter als auch für Väter und von daher schwerpunktmäßig in unserem Wahlprogramm unter dem Kapitel „Familienpolitik“ ausgeführt. > Gesellschaftspolitik
Familie umfasst vielfältige Formen. Insbesondere für Alleinerziehende – mehrheitlich Frauen – hängt die Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt von der familienpolitischen Infrastruktur, wie Kinderbetreuung, der familienfreundlichen Personalpolitik der Arbeitgeber*innen usw. ab.
In den städtischen Unternehmen und in der Verwaltung zeigen wir, dass Führung teilbar und auch in Teilzeit möglich ist und werben für eine familienfreundliche Personalpolitik. Sensibilisierung, Kooperationen und Anreize sind dabei wirksame Stellschrauben zur Förderung von Gleichstellung in Führungspositionen.
Zur GRÜNEN Erfolgsbilanz in Darmstadt zählt, dass unter unserer Federführung die Versorgung mit Kita-Plätzen bedarfsgerecht ausgebaut wurde. Bei den unter Dreijährigen – den U3s – haben wir eine Quote von 42 %, bei den über Dreijährigen – den Ü3s – liegt die Versorgung bei 102,6 % (31.12.2018). Diese Quoten sind über die letzten Jahre stabil geblieben, obwohl Darmstadt kontinuierlich wächst und viele Familien nach Darmstadt kommen.
>>> Wir treten für die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle Geschlechter sowie die strukturelle Unterstützung durch Kinderbetreuung ein.
>>> Familienfreundliche Personalpolitik in Unternehmen und Behörden wollen wir unterstützen.

>>> In den nächsten Jahren setzen wir GRÜNE weiter auf einen qualitativ hochwertigen und quantitativen notwendigen Ausbau der Betreuungsangebote. Ein Fokus liegt dabei auf der Schulkindbetreuung. Unser Ziel ist eine gebundene, inklusive, rhythmisierte Ganztagsschule, die Qualität und Quantität, Bedürfnisse von Kindern und Eltern zusammendenkt. > Gesellschaftspolitik > Bildung

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht es aber aus frauenpolitischer Sicht auch um die gleichberechtigte Verteilung von Verantwortung, Zeit und Macht. Ziel GRÜNER Politik ist die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Erwerbs- und Familienarbeit, denn aktuell leisten Frauen durchschnittlich circa 50 % mehr unbezahlte Sorge- und Reproduktionsarbeit als Männer. Besonders deutlich wurde dies einmal mehr während des Corona-bedingten Lockdowns: Auch wenn sowohl Männer als auch Frauen im Homeoffice waren, übernahmen meist Letztere wie selbstverständlich die anfallenden Sorge-, Pflege- und
Bildungsaufgaben. Dadurch waren sie einer enormen Belastung ausgesetzt und vernachlässigten teilweise ihre Erwerbsarbeit. Erste Studien unterstreichen, laut der Heinrich Böll Stiftung, die befürchtete Tendenz, dass es dadurch zu einer Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse im Privaten kam.
Auch beziehen Mütter im Durchschnitt 13 Monate Elterngeld, während Väter die Leistung nur knapp vier Monate in Anspruch nehmen. Der Großteil der Väter, die Elterngeld beziehen, geht sogar nur zwei Monate in Elternzeit, denn das ist das gesetzlich vorgeschriebene Minimum, um den Bezugszeitraum zu verlängern.
>>> Wir GRÜNE machen uns für eine Sensibilisierung für ungerechte Verteilung und Entlohnung stark.
>>> Auf Bundesebene setzen wir uns dafür ein, dass sich die gesetzlichen Regelungen und die Strukturen ändern, um echte Gleichberechtigung und Wahlfreiheit für Erwerbs- und Familienarbeit zu ermöglichen und zu fördern.
>>> Grundsätzlich sehen wir Homeoffice als eine gute Möglichkeit an, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu steigern und wollen den Ausbau der Möglichkeiten fördern. Dabei muss jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass eine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben bestehen bleibt.
>>> Die Arbeit im Homeoffice sollte daher immer freiwillig bleiben und die Begrenzung der Arbeitszeit gesichert werden.

2.4. Start-ups – the future is female

Darmstadt ist Wissenschafts- und Zukunftsstadt und damit ein attraktiver Standort für junge, kreative und spannende Start-ups. Wir GRÜNE wollen Start-ups unterstützen und dabei gezielt junge Unternehmerinnen fördern, denn nur cirka 15 % aller Start-up-Gründer*innen in Deutschland sind weiblich. Ein wichtiger Ort für Ideenfindung und Konzepterstellung von Start-ups sind unter anderem Universitäten und Hochschulen. Deshalb streben wir in der Förderung auch eine Kooperation mit der Technischen Universität und den beiden Hochschulen in Darmstadt an.
>>> Wir GRÜNE wollen Kapitalgeber*innen, Investor*innen und junge Unternehmerinnen in Darmstadt zusammenbringen. Ein Förderprogramm soll dabei finanzielle Komponenten umfassen, aber auch Plattform und Netzwerk zum Austausch untereinander sowie mit Politik und Verwaltung sein.
>>> Wir wollen weiblichen Vorbildern, und denen, die es noch werden wollen, Raum geben, ihre Geschichten von Erfolg bis Niederlagen, zu erzählen.

2.5. Interkulturalität

Alle Frauen und Mädchen egal welcher Herkunft sind eine Bereicherung für Darmstadt. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass ihre Perspektiven, Geschichten und Kompetenzen in Politik und Gesellschaft noch stärker gehört und eingebunden werden. Weiterhin müssen wir alle noch stärker für Formen intersektionaler Diskriminierung sensibilisiert werden, zum Beispiel bei dem pauschalen Absprechen von Sprach- und Bildungskompetenzen, der Wohnungssuche oder dem Zugang zum Arbeitsmarkt, und uns gegen jede Form der Diskriminierung aussprechen und einsetzen.
>>> Wir GRÜNE setzen uns für einen wechselseitigen Austausch von Kompetenzen und Perspektiven ein und unterstützen Initiativen der Selbstorganisation.
>>> Bereits bestehende Programme und Kooperationen wollen wir erhalten und ausbauen. Wir streben an, dass im Rahmen von Projekten wie dem „Girls Day“ oder Stadtteilprojekten zu Selbstverteidigung und Empowerment noch gezielter Mädchen und junge Frauen mit migrantischer Perspektive angesprochen und eingebunden werden.

2.6. Gender Mainstreaming und Gender Budgeting

Die Verteilung der Ressourcen Geld und Zeit ist zentral bei der Gleichberechtigung der Geschlechter. Gender Budgeting ermöglicht die Analyse, Steuerung und Evaluation des Haushalts bei der Frage, ob und in welchem Umfang haushaltspolitische Entscheidungen einen Beitrag zur tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung leisten und bestehende Nachteile beseitigen.Einnahmen und Ausgaben können mit dem Ziel restrukturiert werden, die Gleichstellung der Geschlechter, auch unter Berücksichtigung der unbezahlt geleisteten Arbeit, zu fördern. Wichtige Analysefelder sind dabei unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, öffentlicher Nahverkehr und Infrastruktur wie Bibliotheken und kulturelle Einrichtungen.
>>> Wir GRÜNE setzen uns für die schrittweise Einführung des Gender Budgetings ein.
>>> Perspektivisch sollen alle kommunalpolitischen Maßnahmen im Hinblick auf Gender Budgeting geprüft werden.

2.7. Sport – Finanzen und Vorbilder

Sport spielt in Darmstadt traditionell eine wichtige Rolle. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass Mädchen und Frauen im Sport gezielt gefördert werden. Dazu gehört, dass wir auch die Sportförderung unter dem Aspekt des Gender Budgetings analysieren und evaluieren. Gleichzeitig wollen wir uns auch die Rollen- und Aufgabenverteilung insbesondere in den ehrenamtlichen Strukturen anschauen und dort gemeinsam mit den Vereinen gezielte Maßnahmen zur Frauenförderung entwickeln und umsetzen.
>>> Wir wollen eine Vorbild-Kampagne in Darmstadt starten, um Mädchen und junge Frauen für den Sport zu begeistern, sei es als Hobby oder im Bereich des Leistungssports.
>>> Um die Gleichstellung auch in der Sprache zu berücksichtigen setzen wir uns für die Umbenennung der Auszeichnung „Darmstädter Sportler des Jahres“ in „Darmstädter Sportler*in des Jahres“ein.

2.8. Preise und Kommissionen

Gleichberechtigung zeigt sich auch in der Anerkennung der Leistungen von Frauen.
>>> Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass bei der Verleihung von Preisen und der Benennung von Straßen sowohl Kommissionen paritätisch besetzt als auch die Preise und Straßennamen gleichmäßig vergeben werden.

2.9. Stadtentwicklung

Darmstadt ist eine Stadt für alle. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass frauenpolitische Gesichtspunkte bei der Stadt- und Quartiersentwicklung noch mehr Berücksichtigung finden. Das betrifft Fragen der Raumverteilung, der Offenheit, aber auch der Ermöglichung von gesellschaftlichem Zusammenhalt durch eine inklusive und integrative Bau- und Gestaltungsweise. In Fragen der Sicherheit im öffentlichen Raum muss für uns GRÜNE auch das subjektive Sicherheitsempfinden in der Stadtentwicklung berücksichtigt werden. Passende Maßnahmen wie zum Beispiel eine erhöhte Präsenz von Ansprechpersonen der Sicherheitsbehörden wollen wir umsetzen. > Ordnung und Sicherheit

 

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